, Marguerite Mamane

Jung und Alt gehen gemeinsam gegen Altersdiskriminierung vor!

Die VASOS, Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen der Schweiz (mit über 130'000 Mitgliedern) und die SAJV, die schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände, fordern mit einer Petition Bund und Parlament zum Handeln auf. Das Anliegen: Eine diskriminierungsfreie Gesellschaft, die alle Generationen umfasst. [Mehr lesen]

Wahrscheinlich haben es die meisten auf die eine oder andere Weise schon selbst erlebt oder zumindest davon gehört respektive darüber gelesen: die «Überalterung», auch «grauer Tsunami» kursiert diesbezüglich, schafft Probleme in der Schweiz (sowie auch anderswo), «die Alten leben auf Kosten der Jungen», «die Jungen finanzieren die Renten der Alten» (echt jetzt?) und nicht zuletzt: den «Alten das Wahlrecht streichen» (Idee einer Politologin, 2025), um die «Dominanz der Senioren zu brechen» - oder sie aufzufordern, aus ihrem vor Jahrzehnten erworbenen Einfamilienhaus auszuziehen, um es jungen Familien zugänglich zu machen …

Genug des «Bashings» respektive verbalen Prügelns der Seniorinnen und Senioren. Diskriminierungen aufgrund des Alters betreffen tatsächlich viele Lebensbereiche: die Gesundheitsversorgung, das selbstbestimmte Wohnen im Alter, die Wohnungssuche, den Zugang zum öffentlichen Verkehr, den Schutz vor Gewalt und finanzieller Ausnützung. Im Zusammenspiel verschiedener Benachteiligungen wird besonders deutlich, wie lückenhaft der Schutz älterer Menschen ist.

Das haben sich auch die VASOS und die SAJV gedacht und eine Petition lanciert. Im Unterschied zur Initiative, einem verbindlichen Instrument der direkten Demokratie, die bei Zustandekommen zwingend zu einer Volksabstimmung führt, ist die Petition eine Bitte, ein Anliegen an eine Behörde oder eben, wie im vorliegenden Fall, an das Parlament.

Von mehr als 25 500 Menschen unterzeichnet

Am 15. Juni hat die Petitionsübergabe im Bundeshaus in Bern zuhanden Bund und Parlament stattgefunden. Denn: Die Schweizer Bundesverfassung verbietet in Artikel 8, Absatz 2 die Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Lebensform, Geschlecht, Behinderung, Religion, weltanschaulicher oder politischer Überzeugung, «Rasse» und auch aufgrund von Alter. Dennoch ist die Altersdiskriminierung im Alltag eine Realität (siehe weiter oben) – und bleibt meist unbeachtet und ohne rechtliche Konsequenzen.

Bea Heim, Präsidentin VASOS, alt Nationalrätin: «Es ist verrückt: Wir feiern ein langes Leben – und diskriminieren die Menschen, die es erreicht haben. Das ist kein Fortschritt, sondern ein Widerspruch!»

Katharina Prelicz-Huber, Nationalrätin Grüne, Fachhochschuldozentin, Präsidentin AVIVO Zürich, Vereinigung zur Verteidigung der Rechte der Rentnerinnen und Rentner: «Die jährliche ehrenamtliche Arbeit u.a. im Care-Bereich, vor allem von Frauen und Pensionierten geleistet, übersteigt gar die jährlich geleistete Erwerbsarbeit. Und Grosseltern sind die grösste Kita der Schweiz – erst noch gratis.»

Für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft aller Generationen

32 Organisationen, 46 national bekannte Persönlichkeiten und über 25’500 Menschen unterstützen die Petition. Hinter diesen Zahlen steht die Erwartung, dass die Schweiz ihrer verfassungsmässigen Verpflichtung nachkommt und das Verbot der Diskriminierung aufgrund des Alters umsetzt.

Es werden konkrete Massnahmen verlangt

• Mit einem nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung der Diskriminierung von Menschen aller Generationen aufgrund ihres Alters

• Mit der Schaffung einer zentralen Fachstelle «Altersdiskriminierung», die Bund und Kantone bei der Förderung einer diskriminierungsfreien Gesellschaft berät

• Mit rechtlichen Grundlagen und Massnahmen zum Schutz vor Diskriminierung aufgrund des Alters.


Die breite Abstützung der Petition zeigt deutlich: Das Thema bewegt die Menschen in der Schweiz. Und dies Jung und Alt. Gemeinsam setzen sie sich gegen Altersdiskriminierung ein, denn Alter ist kein Massstab für den Wert eines Menschen, ob er 17 Jahre alt ist oder über 70. Wer Menschen auf ihr Alter reduziert, übersieht ihre Fähigkeiten, Erfahrungen und ihr Potenzial.

Die NPV wird diesem Thema weiterhin die nötige Aufmerksamkeit widmen und wieder berichten. Weitere Informationen: www.vasos.ch

Text: Marguerite Mamane. Quelle: Medienunterlagen VASOS